Familie in Balance

Immer dieselbe Person

In vielen Familien ist einer zuständig und der andere Ersatz. Warum das selten am Kind liegt, was es mit beiden Erwachsenen macht und wie sich die Verteilung tatsächlich ändert.

Von Sarah Mann · 11 Minuten Lesezeit

Immer dieselbe Person

Es gibt Familien, in denen abends immer dieselbe Person aufsteht. In denen ein Kind bei jedem Sturz an derselben Hose hängt. In denen der andere Erwachsene im Raum ist und trotzdem nicht gemeint.

Von außen sieht das aus wie eine besonders enge Bindung.

Meistens ist es etwas Unspektakuläreres: eine eingespielte Gewohnheit, die niemand mehr umstellt.

Warum Kinder eine Person wählen

Ein Kind entscheidet sich für den Weg, der am zuverlässigsten funktioniert. Das ist kein Urteil über Zuneigung, sondern eine sehr praktische Rechnung.

Wer eine Sache hundertmal gemacht hat, macht sie schneller und ruhiger. Er kennt die Reihenfolge, die Sätze, den Griff. Das Kind merkt das sofort, und es wählt danach.

Aus zehn Malen wird eine Gewohnheit, aus der Gewohnheit eine Zuständigkeit, aus der Zuständigkeit ein Familienmerkmal: Sie kann das eben besser.

Damit ist der Kreis geschlossen, und er dreht sich von allein weiter.

Was das mit beiden Erwachsenen macht

Die zuständige PersonDie andere Person
Kommt nie aus dem DienstVerliert Übung und Selbstverständlichkeit
Kann kaum weg, ohne zu organisierenWird bei Entscheidungen weniger gefragt
Wird für die Nähe beneidetWird für die Distanz kritisiert
Ist erschöpft und darf es kaum sagenFühlt sich überflüssig und sagt es nicht
Traut es dem anderen irgendwann selbst nicht mehr zuZieht sich weiter zurück

Die letzte Zeile ist die, an der es kippt. Wer lange zuständig war, entwickelt echte Zweifel, ob der andere es hinbekommt. Und wer lange nicht drankam, hat tatsächlich weniger Übung. Beide haben recht, und die Lage verfestigt sich.

Der häufigste Fehler beim Umstellen

Er heißt: Heute machst du das mal.

Ein einzelnes Mal ändert nichts. Es ist eine Ausnahme, das Kind behandelt es als Ausnahme, es geht schlechter als sonst, und danach ist der Beweis erbracht, dass es eben nicht funktioniert.

Was funktioniert, ist ein ganzer Bereich für einen längeren Zeitraum.

Nicht: Heute bringt Papa dich ins Bett. Sondern: Das Zubettbringen gehört ab Montag Papa, jeden Abend, für die nächsten vier Wochen.

Erst über die Wiederholung entsteht die Vertrautheit, die die andere Person bisher hatte.

Wie ihr es ankündigt

Ruhig, kurz, als Information. Nicht als Frage und nicht als Bitte an das Kind.

„Ab Montag bringt Papa dich ins Bett. Ich bin da, aber er macht das jetzt.“

Kein langes Gespräch über die Gründe. Wer ausführlich begründet, macht die Sache verhandelbar, und dann wird sie verhandelt.

Womit ihr rechnen müsst

Es wird Protest geben, und der richtet sich nicht gegen die Person, sondern gegen die Änderung. Ein Kind, das seit zwei Jahren denselben Ablauf hat, prüft, ob der neue hält.

Drei Dinge helfen dabei:

Die zuständige Person bleibt im Haus, aber aus dem Raum. Wer danebensteht, wird gerufen, und dann ist die Umstellung beendet. Wer im Nebenzimmer ist, ist erreichbar und nicht im Weg.

Es wird nicht korrigiert. Wenn die andere Person die Reihenfolge ändert, ein anderes Buch nimmt oder etwas vergisst, bleibt das so. Ein Kind verkraftet zwei Arten mühelos. Was es schlecht verkraftet, ist eine Korrektur des einen Erwachsenen durch den anderen vor seinen Augen.

Es wird nicht zurückgetauscht. Auch nicht am dritten Abend, wenn es schwierig ist. Ein einziges Zurücktauschen kostet die ganze Woche.

Wenn es nicht nur Gewohnheit ist

Manchmal steckt mehr dahinter, und dann greift der Wechsel allein zu kurz.

Wenn ein Elternteil seit Monaten kaum zu Hause ist, hilft keine Zuständigkeitsverschiebung, sondern eine Frage an die Arbeitszeiten. Wenn zwischen den Erwachsenen etwas ungeklärt ist, spürt das Kind es und geht dem Konflikt aus dem Weg, indem es sich auf eine Seite stellt. Und wenn ein Elternteil sich selbst nichts zutraut, ändert sich das nicht durch mehr Dienste, sondern durch ein Gespräch darüber.

In allen drei Fällen ist die Bevorzugung ein Anzeiger, nicht das Problem.

Der Satz zum Mitnehmen

Ein Kind wählt die Person, mit der etwas am verlässlichsten läuft. Das ändert sich nicht durch ein einzelnes Mal, sondern durch einen ganzen Bereich über mehrere Wochen. Angekündigt, nicht verhandelt, und ohne dass einer den anderen korrigiert.

Quellen und weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Warum will unser Kind immer dieselbe Person?

Meist nicht wegen einer stärkeren Bindung, sondern wegen Gewohnheit. Kinder wählen den Weg, der am zuverlässigsten funktioniert. Wer eine Sache hundertmal gemacht hat, ist darin eingespielt, und genau das erkennt ein Kind.

Ist das ein Zeichen für eine schwächere Bindung zum anderen?

In aller Regel nicht. Bevorzugung in bestimmten Situationen ist normal und wechselt über die Jahre mehrfach. Aufmerksam werden sollte man, wenn ein Elternteil über Monate gar nicht mehr vorkommt.

Wie ändern wir die Verteilung?

Über ganze Bereiche statt einzelner Male, und mit einer Ankündigung statt einer Verhandlung. Nicht heute mal der Vater, sondern: Das Zubettbringen gehört ab Montag ihm, jeden Tag, für die nächsten Wochen.

Unser Kind weint dann. Sollen wir abbrechen?

Nein, sofern es begleitet wird. Ein Kind protestiert gegen die Änderung einer Gewohnheit, nicht gegen die Person. Wer beim ersten Protest zurücktauscht, bestätigt die Gewohnheit und macht die nächste Umstellung schwerer.

Was, wenn der andere es wirklich anders macht?

Dann macht er es anders, und das ist in Ordnung. Ein Kind verkraftet zwei Arten problemlos. Was es schlecht verkraftet, ist ein Elternteil, das den anderen vor seinen Augen korrigiert.

Wie lange dauert es, bis es sich einspielt?

Meist zwei bis vier Wochen bei täglicher Wiederholung. Wenn nur ein- oder zweimal pro Woche getauscht wird, dauert es Monate oder gar nicht, weil die Gewohnheit dazwischen jedes Mal zurückkehrt.

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