Schlaf und Abend

Mittagsschlaf: Wann er endet und was danach kommt

Der Mittagsschlaf ist der unterschätzteste Hebel für den Abend. Woran du erkennst, dass er zu lang, zu spät oder vorbei ist.

Von Sarah Mann · 11 Minuten Lesezeit

Mittagsschlaf: Wann er endet und was danach kommt

Es gibt einen Hebel für den Abend, an den fast niemand denkt, wenn der Abend schwierig ist. Er liegt sechs Stunden früher.

Der Mittagsschlaf.

In sehr vielen Familien, die abends kämpfen, liegt die Ursache nicht am Abend. Sie liegt daran, dass ein Kind um 15:30 Uhr aufgewacht ist und um 19:30 Uhr schlafen soll.

Warum der Mittagsschlaf den Abend bestimmt

Der Zusammenhang ist einfach: Schlafdruck baut sich über die Zeit auf, in der ein Kind wach ist.

Zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen muss genug Zeit liegen, sonst ist ein Kind schlicht nicht müde. Wie viel Zeit, hängt vom Alter ab.

AlterWachzeit vor dem Abend (Richtwert)
1 bis 2 Jahreetwa 5 bis 5,5 Stunden
2 bis 3 Jahreetwa 5,5 bis 6 Stunden
3 bis 4 Jahreetwa 6 Stunden und mehr
Ohne Mittagsschlaf11 bis 13 Stunden am Stück

Das sind Richtwerte, keine Vorschriften, und Kinder unterscheiden sich deutlich. Aber die Rechnung ist nützlich.

Ein Dreijähriger, der bis 15:30 Uhr schläft und um 19:00 Uhr ins Bett soll, hat dreieinhalb Stunden Wachzeit. Das reicht in aller Regel nicht, und das Ergebnis ist ein Kind, das eine Stunde lang fröhlich im Bett erzählt.

Das sieht aus wie ein Erziehungsproblem und ist ein Rechenproblem.

Die drei Stellschrauben

Bevor man den Mittagsschlaf ganz abschafft, gibt es drei mildere Schritte.

Die Endzeit. Der wirksamste. Wenn der Mittagsschlaf nach 15 Uhr endet, wird der Abend bei den meisten Kindern schwierig. Sanft wecken ist dann besser, als jeden Abend eine Stunde zu kämpfen.

Die Dauer. Über anderthalb Stunden ist bei Kindern über zwei oft zu viel. Wecken nach einer Stunde verändert den Abend oft deutlich, ohne dass der Mittagsschlaf ganz wegfällt.

Die Startzeit. Ein Mittagsschlaf, der zu früh beginnt, führt oft dazu, dass das Kind zu früh aufwacht und der Nachmittag zu lang wird. Etwas später anfangen kann helfen.

In dieser Reihenfolge ausprobieren, jeweils eine Woche. Und dabei nur eine Sache verändern, sonst weiß man am Ende nicht, was gewirkt hat.

Woran du erkennst, dass er vorbei ist

Es gibt kein Alter, an dem der Mittagsschlaf enden müsste. Bei den meisten Kindern passiert es zwischen dem dritten und fünften Geburtstag, mit großen Unterschieden.

Die Zeichen sind ziemlich zuverlässig:

  • Das Einschlafen mittags dauert immer länger, oft über dreißig Minuten
  • Dein Kind ist mittags fröhlich wach und will nicht schlafen
  • Es schläft mittags, ist aber abends bis spät munter
  • Es schläft an manchen Tagen und an anderen nicht
  • An Tagen ohne Mittagsschlaf schläft es abends schnell und gut ein

Das letzte Zeichen ist das aussagekräftigste. Wenn ein Kind ohne Mittagsschlaf abends deutlich leichter einschläft und tagsüber nicht zusammenbricht, ist die Sache klar.

Die Ruhezeit als Zwischenlösung

Der Übergang ist selten ein Schalter. Es gibt Wochen, in denen ein Kind an manchen Tagen schläft und an anderen nicht.

Was in dieser Phase gut funktioniert, ist eine Ruhezeit statt Schlaf.

Dreißig bis sechzig Minuten, jeden Tag zur selben Zeit. Gedämpftes Licht, keine Anforderung, kein Bildschirm. Bücher anschauen, Hörspiel, im Bett liegen und nichts tun.

Wenn das Kind einschläft, schläft es. Wenn nicht, hat es trotzdem eine Pause gehabt.

Der Nutzen dieser Zeit ist größer, als sie aussieht. Sie hält die Struktur des Tages, sie gibt dem Kind Erholung, und sie gibt dem Erwachsenen eine Pause, die in dieser Phase dringend gebraucht wird.

Was an den schlaflosen Tagen hilft

Der Übergang ist für Kinder anstrengend, und das zeigt sich am Nachmittag.

Den Abend vorziehen. Das ist die wichtigste Maßnahme. An Tagen ohne Mittagsschlaf oft um dreißig bis sechzig Minuten. Ein Kind, das um 17:30 Uhr zusammenbricht, gehört um 18:30 Uhr ins Bett, nicht um 20:00 Uhr.

Den Nachmittag entlasten. Weniger Termine, weniger Reiz, mehr draußen.

Und mit Schwankungen rechnen. Es gibt gute und schlechte Tage, und das über Wochen. Das ist kein Rückschritt, sondern der Verlauf.

Die Übergangsphase dauert bei den meisten Familien zwei bis sechs Wochen.

Der Mittagsschlaf in der Kita

Ein häufiger Konfliktpunkt, und einer, der sich meist lösen lässt.

Viele Einrichtungen haben feste Ruhezeiten, was sinnvoll ist. Ob ein Kind darin tatsächlich schläft, ist aber in aller Regel verhandelbar.

Wenn dein Kind in der Kita bis 14:30 Uhr schläft und zu Hause deshalb um 21 Uhr noch wach ist, ist das ein guter Grund für ein Gespräch. Die meisten Erzieherinnen kennen die Frage und gehen darauf ein.

Was dabei hilft: Konkret sein. Nicht „Er soll nicht mehr schlafen“, sondern „Könntet ihr ihn um 13:30 Uhr wecken, damit der Abend bei uns funktioniert.“

Warum sich die Mühe lohnt

Zum Schluss die Einordnung, warum dieses Thema mehr ist als eine Schlaffrage.

Bei Schlafmangel bricht die Selbstregulation als Erstes zusammen. Ein Kind, das zu wenig oder zur falschen Zeit schläft, ist nicht nur müder, sondern auch weniger in der Lage, Frust auszuhalten, Impulse zu bremsen und sich zu beruhigen.

Sehr viele Familien arbeiten an Verhalten, wo sie eigentlich an der Uhr hätten arbeiten müssen.

Ein Abend, der eine Stunde kürzer wird, ist deshalb nicht nur eine Zeitersparnis. Er verändert die Stimmung des ganzen Tages, für alle. Warum der Abend so viel offenlegt, steht in Warum der Abend zeigt, wie es tagsüber läuft.

Quellen und weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Wann hört der Mittagsschlaf auf?

Bei den meisten Kindern zwischen dem dritten und fünften Geburtstag, mit großen Unterschieden. Manche brauchen ihn mit zweieinhalb nicht mehr, andere bis in die Vorschulzeit. Das Alter sagt weniger aus als die Frage, was der Mittagsschlaf mit dem Abend macht.

Woran erkenne ich, dass der Mittagsschlaf zu lang ist?

Am Abend. Wenn dein Kind abends lange wach im Bett liegt und dabei fröhlich ist, redet oder spielt, hat es zu wenig Schlafdruck. Der häufigste Grund dafür ist ein zu langer oder zu später Mittagsschlaf.

Soll ich mein Kind mittags wecken?

Wenn der Abend darunter leidet, ja. Ein Mittagsschlaf, der nach 15 Uhr endet oder deutlich über anderthalb Stunden dauert, verschiebt bei vielen Kindern den ganzen Abend. Sanft wecken ist dann besser als jeden Abend zu kämpfen.

Was mache ich, wenn mein Kind mittags nicht mehr schläft, aber abends überdreht ist?

Eine Ruhezeit einführen statt Schlaf. Etwa dreißig bis sechzig Minuten mit gedämpftem Licht, ohne Anforderung, ohne Bildschirm. Viele Kinder brauchen in dieser Übergangsphase keine Schlafphase mehr, aber sehr wohl eine Pause.

Wie lange dauert der Übergang ohne Mittagsschlaf?

Meist zwei bis sechs Wochen, in denen es Tage mit und ohne gibt. Diese Uneindeutigkeit ist normal. Was hilft, ist an schlaflosen Tagen den Abend deutlich vorzuziehen, oft um dreißig bis sechzig Minuten.

Muss mein Kind in der Kita mittags schlafen?

Das lässt sich in aller Regel besprechen. Viele Einrichtungen haben feste Ruhezeiten, aber der Schlaf selbst ist meist verhandelbar. Wenn dein Kind zu Hause deshalb abends nicht müde wird, ist das ein guter Grund für ein Gespräch.

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